Technik & Updates Aktualisiert Juli 2026

WordPress-Bilder barrierefrei machen:
Die Checkliste für WCAG, EAA und ADA

WordPress bringt alles mit, was barrierefreie Bilder brauchen – aber die Fallstricke stecken im Detail: Mediathek vs. Beitrag, verlinkte Bilder, Page-Builder-Slider. Diese Checkliste geht alle acht Punkte durch, an denen es in der Praxis hakt.

Alexander Flach

Alexander Flach

Accessibility & AI Specialist

4 Gelesene Minuten
Grafik von AUTOALT.AI mit dem Titel: WordPress-Bilder barrierefrei machen. Darunter steht: Die Checkliste für WCAG, EAA und ADA auf hellem Hintergrund.

Grafik von AUTOALT.AI mit dem Titel: WordPress-Bilder barrierefrei machen. Darunter steht: Die Checkliste für WCAG, EAA und ADA auf hellem Hintergrund.

Barrierefreie Bilder in WordPress sind kein Hexenwerk – das alt-Attribut ist seit jeher fest eingebaut. Trotzdem scheitern die meisten Websites genau hier. Der Grund ist selten böser Wille, sondern die WordPress-spezifische Architektur: Alt-Texte leben an mehreren Orten gleichzeitig, Page Builder kochen ihr eigenes Süppchen, und was in der Mediathek gepflegt wird, kommt nicht automatisch überall an.

Diese Checkliste ist das WordPress-Gegenstück zu unserer plattformübergreifenden EAA-Checkliste für E-Commerce – hier geht es um die konkreten Handgriffe und Fallstricke im WordPress-Ökosystem.

1. Der Rechtsrahmen in Kürze

Drei Regelwerke sind für WordPress-Betreiber relevant – und alle drei laufen bei Bildern auf dieselbe technische Anforderung hinaus:

Regelwerk Gilt für Anforderung bei Bildern
EAA / BFSGE-Commerce & bestimmte Dienstleistungen in der EU (seit 28.06.2025)WCAG 2.1 AA – Textalternative (SC 1.1.1)
ADAUS-Markt; Klagewelle gegen Websites (4.500+ Klagen 2024)De-facto-Standard: WCAG 2.1 AA
WCAG 2.1 AATechnischer Standard hinter beidenSC 1.1.1 (Alt-Text) und SC 1.4.5 (Text im Bild)

Die gute Nachricht: Wer die WCAG-Anforderungen für Bilder erfüllt, deckt EAA und ADA in diesem Punkt gleichzeitig ab. Es gibt keine drei verschiedenen Alt-Text-Standards.

2. Wo WordPress Alt-Texte speichert – und warum das wichtig ist

Der häufigste Verständnisfehler bei WordPress-Bildern: die Annahme, der Alt-Text sei eine Eigenschaft „des Bildes“. Tatsächlich gibt es zwei Speicherorte:

Mediathek vs. Beitrag

Mediathek: Der Alt-Text am Mediathek-Eintrag ist die Vorlage. Er wird verwendet, wenn das Bild neu eingefügt wird – und bei Beitragsbildern (Featured Images) direkt ausgespielt.

Beitrag/Seite: Beim Einfügen in den Block-Editor wird der Alt-Text in den Block kopiert. Ab dann sind beide unabhängig: Wer später die Mediathek korrigiert, ändert damit nicht die bereits eingefügten Bilder in bestehenden Beiträgen.

Für Ihre Prüfung heißt das: Es genügt nicht, die Mediathek durchzugehen. Bestandsinhalte müssen dort geprüft werden, wo sie ausgespielt werden – im gerenderten HTML. Genau deshalb arbeitet ein sauberes Audit immer mit dem Frontend (Scan oder Quelltext), nie nur mit dem Backend.

3. Die 8-Punkte-Checkliste

4. Gutenberg, Page Builder & Themes: die Eigenheiten

Im Block-Editor (Gutenberg) ist die Welt in Ordnung: Bild-Block auswählen, Alt-Text in den Block-Einstellungen pflegen, fertig. Der Editor erinnert sogar daran, dass leere Alt-Texte dekorativen Bildern vorbehalten sind.

Komplizierter wird es außerhalb des Standards:

  • Page Builder (Elementor, Divi, WPBakery & Co.) haben eigene Bild-Widgets mit eigenen Alt-Text-Feldern. Manche übernehmen den Mediathek-Wert, manche nicht – verlassen Sie sich nie darauf, sondern prüfen Sie das gerenderte HTML.
  • Hintergrundbilder per CSS (beliebt in Buildern für Hero-Sektionen) können technisch gar keinen Alt-Text tragen. Faustregel: Trägt das Bild Information, gehört es als <img> in den Inhalt; ist es reine Dekoration, ist CSS-Background sogar die sauberste Lösung.
  • Theme-Bilder (Logo im Customizer, Header-Bilder) haben je nach Theme eigene Pflegeorte – das Logo-Beispiel aus Checklisten-Punkt 5 wird meist im Customizer bzw. Site Editor gesetzt.

5. Mehrsprachige Websites: WPML & Polylang

Auf mehrsprachigen WordPress-Websites vervielfacht sich das Thema – und wird gleichzeitig am häufigsten übersehen. Denn ein deutscher Alt-Text auf der englischen Seitenversion hilft englischsprachigen Screenreader-Nutzern nicht und rankt nicht in der englischen Bildersuche. Barrierefreiheit und Bild-SEO gelten pro Sprachversion.

  • WPML: Die Medienübersetzung verwaltet pro Sprache eigene Übersetzungen der Bild-Metadaten – auch des Alternativtexts. Prüfen Sie, ob die Medienübersetzung überhaupt aktiv ist: Ohne sie spielen alle Sprachversionen denselben Alt-Text aus.
  • Polylang: Gleiches Prinzip über die Medien-Übersetzungsfunktion – jede Sprachversion eines Mediums trägt ihren eigenen Alternativtext, der separat gepflegt werden muss.
  • Kontrolle immer im Frontend: Öffnen Sie dieselbe Seite in jeder Sprache und prüfen Sie das gerenderte alt-Attribut – die Übersetzungs-Plugins haben zu viele Konfigurationsvarianten, um sich auf die Backend-Ansicht zu verlassen.

Für die Praxis relevant: Bei AutoAlt.ai kostet Mehrsprachigkeit nichts extra – 1 Credit deckt 1 Bild in beliebig vielen der über 130 unterstützten Sprachen ab. Der Aufwand für eine dreisprachige Website ist damit derselbe wie für eine einsprachige.

6. Der WooCommerce-Sonderfall

Betreiben Sie einen WooCommerce-Shop, gelten alle acht Checklisten-Punkte – plus eine Besonderheit: WooCommerce verteilt Produktbilder auf drei Pflegeorte (Hauptbild, Produktgalerie, Variantenbilder in der Varianten-Ansicht). Gerade Variantenbilder fallen bei manuellen Audits durch, weil sie tief im Produkt-Editor stecken. Zusätzlich gilt für Shops seit dem 28. Juni 2025 die EAA/BFSG-Pflicht – die shopspezifischen Punkte (Varianten, Kategorie-Banner, Priorisierung nach Traffic) behandelt ausführlich unsere EAA-Checkliste für E-Commerce; die technische Umsetzung zeigt die WooCommerce-Integration.

7. Selbst testen in 5 Minuten

Bevor Sie in Tools oder Dienstleister investieren: Drei schnelle Prüfungen zeigen, wo Ihre WordPress-Website steht.

  • Konsolen-Schnelltest: Beliebige Seite öffnen, F12 drücken, in der Konsole document.querySelectorAll('img:not([alt])').length ausführen – das zählt Bilder ganz ohne alt-Attribut. Ergänzend zählt document.querySelectorAll('img[alt=""]').length die leeren Attribute; gleichen Sie diese Zahl mit Ihren tatsächlich dekorativen Bildern ab.
  • Editor-Gegenprobe: Öffnen Sie Ihren meistbesuchten Beitrag im Block-Editor und klicken Sie die Bild-Blöcke durch – so sehen Sie direkt, ob die Kopie-Falle aus Abschnitt 2 bei Ihnen zugeschlagen hat (Mediathek gepflegt, Beitrag veraltet).
  • Screenreader-Probe: VoiceOver (Mac, Cmd+F5) oder NVDA (Windows, kostenlos) über eine Seite laufen lassen. Werden Dateinamen vorgelesen, fehlen Attribute; herrscht „Rauschen“ durch beschriebene Zierbilder, fehlt alt="".

Für den Gesamtüberblick statt Einzelseiten: Der Gratis-Barriere-Check crawlt die Website und liefert die Aufschlüsselung pro Seite.

8. Automatisierung für Bestand und Zukunft

Die Checkliste manuell abzuarbeiten funktioniert bis zu einigen Dutzend Bildern. Darüber übernimmt sinnvollerweise ein Werkzeug die Fleißarbeit: Das AutoAlt.ai-Plugin für WordPress generiert KI-Alt-Texte für die gesamte Mediathek per Bulk, versorgt neue Uploads automatisch und schreibt dabei in das echte alt-Attribut – mit Schutz für bereits manuell gepflegte Texte. Wie die KI-Generierung technisch funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Beitrag Wie KI-Alt-Text-Generatoren funktionieren.

Was automatisierbar ist – und was nicht

Beschreiben, formulieren, übersetzen: Automatik. Die redaktionellen Entscheidungen der Checkliste – dekorativ oder informativ (Punkt 4), Linkziel-Beschreibung (Punkt 5), Text-im-Bild-Fälle (Punkt 6) – bleiben menschliche Stichproben-Arbeit. Diese Kombination bringt einen typischen WordPress-Bestand in wenigen Stunden auf Konformitätsniveau, nicht in Wochen.

9. Häufige Fragen

Warum hat mein Bild im Beitrag einen anderen Alt-Text als in der Mediathek?

WordPress kopiert den Mediathek-Alt-Text beim Einfügen in den Beitrag. Danach sind beide unabhängig: Änderungen in der Mediathek wirken sich nicht rückwirkend auf bereits eingefügte Bilder aus. Bestandsinhalte müssen deshalb im Beitrag selbst geprüft werden.

Wie kennzeichne ich ein dekoratives Bild im Block-Editor?

Alt-Text-Feld einfach leer lassen – der Block-Editor weist selbst darauf hin, dass leere Alt-Texte für dekorative Bilder gedacht sind. WordPress rendert dann alt=““, was Screenreader korrekt überspringen.

Was gilt für verlinkte Bilder, z. B. ein Logo mit Link zur Startseite?

Wenn ein Bild der einzige Inhalt eines Links ist, muss der Alt-Text das Linkziel beschreiben, nicht das Bild: „Zur Startseite“ statt „Firmenlogo“. Ein leerer Alt-Text wäre hier ein schwerer Fehler, weil der Link für Screenreader-Nutzer unbenutzbar wird.

Sind Bilder mit Text darin erlaubt?

WCAG 2.1 AA (SC 1.4.5) verlangt: Wenn dieselbe Darstellung mit echtem Text möglich ist, soll echter Text verwendet werden. Ausnahmen sind u. a. Logos. Wo Text im Bild unvermeidbar ist, muss der Alt-Text den kompletten Textinhalt wiedergeben.

Reicht ein Accessibility-Plugin, um WordPress-Bilder konform zu machen?

Overlay-Widgets, die Alt-Texte per JavaScript nachladen, schreiben nichts in den Quellcode – ohne SEO-Wert und in der Accessibility-Community umstritten. Konform und zugleich SEO-wirksam sind nur Alt-Texte, die im HTML-alt-Attribut stehen.

Checklisten-Punkt 1: jetzt in 2 Minuten erledigen.

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